Tarotkarten deuten

Bilder aus dem Tarot Of The 78 Doors von Lo Scarabeo Verlag

Kann man lernen Tarot zu deuten?

Ja, denn die Bildsymbolik des Tarot beruht auf überlieferten Traditionen und Erfahrungen. Die Tarotkarten enthalten einen Bilderschlüssel, der jedem intuitiv zugänglich ist. Im Tarot Of The 78 Doors wird der Narr beispielsweise mit einem Schlüssel dargestellt. Wie aber soll der Schlüssel gedeutet werden?

Überlegen wir einmal:

  • … ein Schlüssel hat eine bestimmte Funktion
  • … zu einem Schlüssel gehört eine Türe, die meist nicht im Bild zu sehen ist und dazu gedacht werden muss
  • … die Anzahl der Schlüssel ist begrenzt (denken wir nur an unsere eigenen Schlüssel!)
  • … nur bestimmte Personen haben einen Schlüssel und Zugang zur Türe

Das Symbol „Schlüssel“ sagt uns also schon einiges: Der Schlüssel hat eine bestimmte Funktion, es braucht eine passende Türe und es gibt einen Schlüsselträger. Diese Komponenten fließen in die Deutung mit ein.

Die traditionelle Bedeutung der Karten ist nicht zwingend festgesetzt. Es gibt durchaus Raum für unterschiedliche Sichtweisen. Allerdings ist es anhand des Schlüsselsymbols einsichtig, dass der Raum für Interpretation zwar weit aber nicht unendlich weit ist. Gewisse Dinge und ihre Symbolik ändern sich nicht. So bleibt das Rad – egal von welcher Seite man es betrachtet – immer rund.

Ist die Deutung des Tarots wiederholbar?

Jede Deutung unterscheidet sich von der vorangegangenen und von der nächsten Deutung. Daher ist jede Deutung einzigartig und unwiederholbar. Die Situation, in der die Frage gestellt wird und die Umstände aber auch der persönliche Zugang zum Bild sind einmalig. Jede Deutung ist immer eine Erfahrung. Sowohl für den, der die Karten deutet als auch für den, dem die Karten gedeutet werden.

Was macht die Qualität einer Deutung aus?

Beim Deuten der Karten kommt es auf drei Dinge an:

  1. auf den Kartenleser
  2. auf den Ratsuchenden
  3. auf das Tarotdeck

Die Qualität einer Deutung hängt von den Fähigkeiten des Kartenlesers ab. Dieser muss die Fähigkeit besitzen, die Tarotkarten im Zusammenhang mit der Frage deuten zu können. Er trägt die Verantwortung dafür, die Symbolik seines Kartendecks genau zu kennen und diese für den Fragesteller nutzbar zu machen.

Auch der Ratsuchende trägt zur Qualität der Deutung bei. Es liegt in seiner Verantwortung, dass er Fragen stellt, die ihn tatsächlich innerlich bewegen. Auch muss er ehrlich nach Antworten suchen. Es macht ja wenig Sinn, etwas zu fragen, was einen nicht interessiert und wo man auch keine Antwort erwartet.

Das Tarotdeck soll sowohl den Fragesteller als auch den Kartenleger inspirieren. Die Darstellung der Bilder können so etwas Neues zur Deutung beitragen. Das kann eine neue Sichtweise oder eine neuer Gedanke sein, der vorher noch nicht da war.

Text: Copyright by Anna Rathkolb

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